Corona-Zeiten

»Wir nehmen Praktikanten auf, weil wir das richtig und wichtig finden.«

Magdalena Jahn, Leiterin des Niendorfer Kinderhaus »Fliewatuut«, zur notwendigen Test- und Maskenpflicht auch für Soziale Jungs, wenn sie in der Kita ein Praktikum machen wollen.

Junge mit Maske und Fußball vor Wand

Fußball in Zeiten von Corona. - Foto: coscaron/photocase.de

Wie kommen Sie als Kita durch die Corona-Zeit? :: Ganz gut. Wir hatten in der gesamten Zeit bisher nur einen Corona-Fall in der Kita, im Personal, so dass wir vorübergehend schließen mussten. Ansonsten ist alles viel aufwendiger, wir müssen mehr desinfizieren und bei Kontakten auch darauf achten, dass die Eltern genesen, geimpft oder getestet sind. Elterngespräche sollen aber derzeit überhaupt nicht mehr vor Ort geführt werden, sondern per Videokonferenz oder telefonisch, maximal am Grundstückszaun.

Wie wirken sich die erforderlichen Schutzmaßnahmen für Ihre Praktikanten, für die Kinder, für Ihre Anleitung aus? Was dürfen die Praktikanten machen, was eher nicht, was auf keinen Fall? :: Die Praktikanten müssen sich bei uns täglich testen, egal ob Auszubildende oder Schülerpraktikanten, und wir haben Maskenpflicht. Manche Eltern sind dagegen, dass wir überhaupt Schülerpraktikanten aufnehmen, die nicht geimpft sind, weil sie doch ein hohes Risiko für die Kita seien, und da hatten wir schon manche Diskussion. Aber: Wir nehmen trotzdem Praktikanten auf, weil wir es richtig und wichtig finden, dass sie in den Beruf hineinschauen können, und weil sich wegen des ohnehin bestehenden Erziehermangels ein Fernhalten der Interessierten dauerhaft auswirken würde.

Die Eltern respektieren Ihre Entscheidung letztendlich? :: Ja, das tun sie. Es gibt ergänzend noch eine eMail an die Eltern, dass wir Praktikumsplätze zur Verfügung stellen möchten, weil es sonst zu Ausbildungsverzögerungen kommen kann und dies auch Lücken in die Betreuungssicherheit reißen würde.

Und wie verändern die Anforderungen der Schutzmaßnahmen die Situation innerhalb des Hauses und während der Arbeit? :: Es ist mit Corona nicht eingeschränkter als zuvor. Wir haben Unterschiede zum Beispiel darin, dass Schülerpraktikanten – anders als die Auszubildenden – nicht mit den Kindern alleine sein dürfen oder sie dürfen auch nicht in Wickelsituationen gehen. Aber das war ja auch schon vor Corona so. Bis auf die Maskenpflicht gibt es keine weiteren Einschränkungen. Die Kinder tragen keine Masken, aber alle im Personal – egal ob Praktikant oder angestellt – sind dazu verpflichtet.

Machen die Praktikanten alle Vorgaben mit oder gibt es auch Widerstände? :: Bei den Schülerpraktikanten haben wir nicht viele Probleme, bei den Auszubildenden – die ab 16jährigen – haben wir aber manchmal Diskussionen. Da gibt es gelegentlich Verweigerer und ich weise darauf hin, dass es bei uns kein Wenn und Aber gibt. Wer sich nicht an die Vorgabe hält, muss dann auch gehen, für diesen Tag. Bei uns gibt es ebenso die Testpflicht, und wer die Testung verweigert – selbst den Spucktest statt des etwas unangenehmen Nasenstäbchens – kann das Praktikum bei uns nicht machen.

Ist eine Einsicht in die Notwendigkeit dieser Maßnahmen im Laufe der Zeit gewachsen – bei den Praktikanten, auch bei deren Eltern? :: Ja, das wird schon selbstverständlicher. Am Anfang gab es mehr Konflikte, aber das hat sich gelegt. Nur mit korrekt sitzender Maske das Haus betreten und sich dann erstmal testen, das funktioniert mittlerweile.

Wie ist es mit der Unmittelbarkeit im Umgang mit den Kindern, die ja wegen der Maskenpflicht nicht mehr so möglich ist wie früher? Verändert sich z.B. etwas im Spielverhalten, in der Kommunikation? Gibt es Unsicherheiten bei den Kindern, wenn sie die Praktikanten wegen der Masken nicht richtig erkennen? :: Die Masken stellen in der Betreuung schon ein Problem dar, denn die Kinder können die Stimmungen im Gesicht nicht ablesen; das verunsichert vor allem kleine Kinder. In der Eingewöhnung neuer Kinder ist es besonders schwer, da verzichtet die Bezugserzieherin auch auf die Maske, sonst ist es für das Kind zu unangenehm und es findet nicht so schnell Vertrauen. Die Kinder haben auch manchmal Schwierigkeiten, Personen wiederzuerkennen. Aber insgesamt haben sich auch die Kinder mittlerweile relativ gut an die Situation angepasst. 

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